Gießen, den 19. Februar 2022 | Offizieller Pressebericht

STAUFENBERG. Hören sie Sylt, so denken die meisten Menschen wohl direkt an Urlaub und Entspannung. Ein Vergnügen aus rein sportlicher Sicht gesehen wird es wahrscheinlich nicht werden, wenn sich vom 26. Mai bis zum 4. Juni zehn Radfahrer aus dem mittelhessischen Staufenberg auf den Weg machen, um etwa 1000 Kilometer zurückzulegen, bis sie an der größten nordfriesischen Insel ihren Zielort erreichen. Doch müde und schmerzende Beine nehmen sie sicherlich gerne in Kauf, handelt es sich doch dabei um eine private Spendenaktion zugunsten des Vereins Menschen für Kinder e.V. (MfK), der seit rund 25 Jahren in Not geratene, insbesondere an Krebs und Leukämie erkrankte Kinder und deren Familien immer wieder unbürokratisch und gezielt unterstützt.

„Wir haben allesamt Kinder, die gesund sind, was ein unheimliches großes Glück ist. Wir wollen mit unserer Aktion aber auch wachrütteln und sichtbar machen, dass das nicht selbstverständlich ist und dass auch die Schattenseiten zum Leben dazugehören. Mit unserer Tour wollen wir darauf aufmerksam machen und den Fokus verändern“, berichtet Erich Peter Hoepfner, einer der Tour-Teilnehmer und -Initiatoren.

Nach der ersten Idee kamen bereits im vergangenen Oktober konkrete Überlegungen auf, erste Gespräche mit dem Vorstand der MfK um Dieter Greilich, Norbert Schmidt oder Stefan Köhler bekräftigten das Vorhaben.

Einen wichtigen Impuls lieferte dann die Firma Interstuhl mit Sitz in Tieringen auf der Schwäbischen Alb, einer der führenden Stuhlhersteller Europas war von der Idee direkt begeistert und stellte neben einer großzügigen Bargeldspende auch ein Designstuhl des Star-Architekten Hadi Teherani zur Versteigerung auf Sylt zur Verfügung.

Nach diesem ersten großen Glücksgefühl startete die Organisation dann so richtig durch. Wer nimmt an der Tour teil? Wollen und können die Mitfahrer zehn Tage ihrer Zeit investieren? Wer organisiert die Route und die Hotels? Wo und wie können Sponsoren gewonnen werden? Und vor allen Dingen: wie kann das hehre Ziele der Radler, eine Spendensumme von 100 000 Euro für die Kinder einzufahren, erreicht werden?

In Gerold Marondel, Jörg und Stefan Köhler, Rüdiger Paff, Norbert Kuhnhenne, Volkmar Krieg, Dr. Hans-Jürgen Werdecker, Kai Weigand und Erich Peter Hoepfner waren neun Radler schnell gefunden, den zehnten Startplatz werden sich Greilich und Matthias Späth aus dem MfK-Vorstand teilen. Jörg Marondel konnte zudem für die Begleitung im von der Firma Avis in Gießen gesponserten Servicefahrzeug gewonnen werden, die Firma SoVelo aus Staufenberg stattet das Team mit den Fahrrad-Ersatzteilen aus. Für die Organisation in Sylt unterstützen der Kesselbacher Mario Schomber und Simon Kopp, die dort das GenussKontor betreiben, das heimische Radfahr-Team.

Um für die nötige Aufmerksamkeit für das Projekt zu sorgen, wurde nicht nur ein Flyer entworfen, sondern auch eine Homepage (www.spendenradtour.org) installiert, auf der Interessierte kontinuierlich ausführliche und aktuelle Informationen, Berichte oder Neuigkeiten finden können.

„Nach dem ersten Bekanntwerden der Aktion haben sich umgehend betroffene Familien an mich gewandt und sich für die tolle Initiative bedankt. Sie haben berichtet, wie wichtig solche Spenden sind, um als Betroffener den Mut fassen zu können, ein halbwegs normales Leben zu führen und sich einmal keine Gedanken darüber zu machen, woher das Geld für die nächste Therapie oder ein wichtiges Hilfsmittel kommt. Von diesen persönlichen Rückmeldungen und die damit verbundenen Geschichten des wahren Lebens habe ich in der Gruppe erzählt. Das hat alle natürlich nochmal sehr motiviert“, berichtet Stefan Köhler, der nicht nur dem „Radler-Team“ angehört, sondern auch als Schriftführer Teil des MfK-Vorstandes ist.

Auch wenn größere Spenden naturgemäß äußerst gern gesehen sind, ist für die Radler aber klar, dass der Erfolg auch und vor allen Dingen im Kleinen liegt. So sind natürlich auch Privatspenden, egal in welcher Höhe, äußerst willkommen, denn jeder einzelne Euro hilft den Kindern weiter. Los geht es mit der Tour am Mittwoch, dem 25. Mai, wenn der Prolog in Staufenberg eröffnet werden soll, um regionale Sponsoren persönlich anzufahren und sich dort für die Unterstützung bedanken. Der offizielle Start ist am 26. Mai, in Etappen von jeweils 100 bis 120 Kilometern führt die Tour dann über Korbach, Göttingen, Hameln, Burgwedel, Lüneburg, Elmshorn, Husum, Flensburg bis nach Sylt, wo noch eine zusätzliche Inselrundfahrt geplant ist.

Nach der Festlegung der Route ist nun die vorrangigste Aufgabe, Sponsoren entlang der Strecke zu suchen, die die Radler bei einem Stopp zur Mittagszeit oder dann am jeweiligen Zielort der Etappe empfangen. Auch die Kommunen vor Ort sollen ins Boot geholt werden. Sponsoren und Spender auch auf der Strecke anzusprechen und sie zu ermuntern, die Initiative zu unterstützen, ist dem Tour-Team zudem ein wichtiges Anliegen. In Sylt soll dann der ehemalige Weltklasse-Turner Eberhard Gienger per Fallschirm „einfliegen“, auch weitere Prominente wie Bülent Ceylan oder Joey Kelly wurden bezüglich ihrer Unterstützung bereits angefragt.

Der Verein Menschen für Kinder ist in Solms-Albshausen im mittelhessischen Lahn-Dill-Kreis beheimatet. Aufgrund der Coronapandemie konnten viele Spendenaktionen des Vereins wie beispielsweise die jährliche MfK-Radtour mit über 500 teilnehmenden Radlerinnen und Radlern sowie bekannten Persönlichkeiten nicht durchgeführt werden, weshalb natürlich einiges an Beitragen entgangen ist. Da Kinder in dieser Zeit durch die zusätzliche Isolation besonders leiden und als Risikogruppe Hilfe benötigen, ist wohl gerade jetzt der richtige Zeitpunkt, um zusätzlich zu helfen.

„Das ist eine tolle Initiative, die wir von MfK gerne unterstützen und daher als Team des Vorstandes auch mitradeln werden. Alle vor und während der Tour gesammelten Spenden kommen zu 100 Prozent den Kindern zugute“, betont der erste Vorsitzende Greilich. „Zu 100 Prozent“ – das ist auch den Staufenberger Radlern nochmal wichtig zu betonen, denn für ihre Unterkünfte oder ihre Verpflegung während ihrer Tour kommen sie selber auf. Und auch für die eine oder andere Salbe für müde und schmerzende Beine.

Quelle: Marc Steinert